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Der große Boxkampf

Affenkampf floppt, Publikum wütet – Felipe träumt von Flamingos

Akt 1: Die große Idee

Ein milder Septembervormittag im Café Kranzler. Die Luft roch nach frischem Kaffee, irgendwo klimperte leise eine Jazzplatte. Felipe saß mit überschlagenen Beinen, rührte bedächtig in seinem Espresso und musterte die Straße wie ein Theaterintendant vor der Generalprobe. Neben ihm blätterte Rollo, ein windiger Sportpromoter, in der Zeitung.

ROLLO: „Dit Volk will Spektakel.“

Felipe hob eine Braue. Spektakel? Das klang nach seiner Kragenweite.

Rollo drehte die Zeitung zu ihm, zeigte mit butterverschmiertem Finger auf ein Foto: Bobo und Yuri, zwei imposante Menschenaffen aus dem Berliner Zoo, hockten nebeneinander und knabberten genüsslich an einer Banane.

Felipe lehnte sich entspannt zurück, legte die Fingerspitzen aneinander.

FELIPE: „Rollo, halt ma dein Hut fest: Die beiden da – Ring frei für King Kong gegen Godzilla, bloß in schick!“

Rollo starrte ihn an, als wäre ihm gerade ein Champagnerkorken ins Auge gesprungen.

ROLLO: „Die sind Brüder, du Irrer. Die prügeln sich nich.“

Felipe winkte ab.

FELIPE: „Det regeln wa mit ‘ner saftigen Gage und ‘ner ordentlichen Dramaturgie.“

Akt 2: Die Vorbereitungen

Eine alte Lagerhalle in Charlottenburg. Felipe stand mit ausgebreiteten Armen vor Bobo und Yuri, zwei massigen Menschenaffen, die ihn mit freundlichen Augen anstarrten. Hinter ihm ein improvisierter Boxring aus alten Seilen und Holzpfosten.

FELIPE: „Ihr seid jetzt Feinde. Jahrhundertfeinde! Rivalen! Ihr hasst euch!“

Bobo und Yuri schauten sich an. Eine lange Pause. Dann schüttelten sie gleichzeitig den Kopf und… fingen an zu lachen. Ein tiefes, kehliges Gelächter, das die ganze Halle erfüllte.

Felipe atmete tief durch. Vielleicht musste man es anders angehen. Emotionale Manipulation.

Er deutete auf Yuri.

FELIPE: „Der da hat gestern gesagt, du bist ‘ne lahme Ente im Ring.“

Yuri sah Bobo an. Bobo sah Yuri an. Stille. Dann lachten sie noch lauter.

Rollo lehnte sich an eine Kiste und seufzte.

ROLLO: „Dit wird nix.“

Felipe gab nicht auf.

FELIPE: „Wir brauchen mehr Training! Mehr Wut! Mehr Drama!“

Bobo kratzte sich am Kopf, dann zog er eine Grimasse.

Akt 3: Die große Show

Der Palast der Republik, ausverkauft. Ein Meer aus Hüten, Zigarettenrauch, Sektkelchen und gehobener Erwartung. Auf der Tribüne lehnten sich Männer mit dicken Zigarren vor, während Damen mit langen Handschuhen verschwörerisch tuschelten.

Felipe stand im Rampenlicht, hob die Arme. Showtime.

FELIPE: „Meine Damen und Herren! Berlin erlebt heute eine Schlacht der Giganten! In der roten Ecke: Der Schrecken aus der Savanne – Yuri!“

Jubel. Yuri betrat den Ring, drehte sich einmal um die eigene Achse und hob würdevoll die Faust.

FELIPE: „Und in der blauen Ecke: Die Bestie aus dem Dschungel – Bobo!“

Noch mehr Jubel. Bobo stieg in den Ring, riss die Arme in die Luft. Die Menge war elektrisiert.

Felipe rieb sich die Hände. Wenn das funktionierte, wurde er reicher als der Direktor vom KaDeWe.

Akt 4: Der Kampf beginnt – oder auch nicht

Die Glocke läutete. Stille. Yuri und Bobo standen sich gegenüber. Die Spannung knisterte.

Felipe lehnte sich nach vorne. Die Menge hielt den Atem an. Dann…

Bobo lachte.

Yuri kicherte.

Bobo versuchte eine ernste Miene – doch dann klatschte er sich mit den riesigen Händen auf den Bauch, prustete los und fiel hinterrücks in einen Purzelbaum.

Yuri, als wäre es abgesprochen, machte es ihm nach. Purzelbaum zurück.

Die Menge erstarrte. Dann murmelte jemand:

MANN: „Äh… wat?“

Felipe stand stocksteif. Rollo schüttelte langsam den Kopf.

Im Ring rollten die beiden Gorilla-Brüder quietschvergnügt umeinander, kugelten sich, schlugen Räder. Sie klatschten sich ab. Ein Boxkampf? Eher ein Akrobatik-Showact.

Ein Mann in der ersten Reihe rief:

MANN: „Ey, is dit’n verdammter Zirkus oder wat?“

Felipe merkte, wie sich eine Welle der Empörung aufbaute.

Akt 5: Der Abgang mit Stil

Das Publikum war aufgebracht. Die ersten wollten ihr Geld zurück. Felipe hob beschwichtigend die Hände.

FELIPE: „Meine Damen und Herren, dies ist… Feine Fäuste statt roher Gewalt! Eleganz statt Hauerei! Anmut statt Holzhammer!“

Die Menge starrte ihn an, als hätte er einen Fisch auf der Stirn kleben.

In dem Moment rollte Yuri einen doppelten Salto rückwärts. Bobo applaudierte.

Felipe räusperte sich.

FELIPE: „Jut, ick geh dann mal.“

Drei Minuten später flog er aus dem Palast der Republik – buchstäblich. Zwei Türsteher setzten ihn sanft, aber bestimmt auf den Kudamm.

Felipe richtete seinen Hut, klopfte sich den Staub von der Weste und atmete tief durch.

Neben ihm tauchte Rollo auf, steckte sich eine Zigarette an und betrachtete den Abendhimmel.

ROLLO: „Und? Wat nu?“

Felipe überlegte kurz. Dann grinste er.

FELIPE: „Ick hab da so ‘ne Idee mit… Flamingos und einem Jazz-Orchester.“

Rollo schlug sich die Hand vor die Stirn.

ENDE